Für das Überleben müssen Lebewesen stark motiviert sein, in bedrohlichen und möglicherweise bedrohlichen Situationen Aufmerksamkeit und Konzentration zu steigern sowie flucht- oder kampfbereit zu sein, aber vor allem: solche Situation möglichst zu meiden oder möglichst bald zu verlassen. Je unangenehmer wir uns in solchen Situationen fühlen, desto sicherer unser Überleben. Deshalb gehört Angst mit zu den unangenehmsten Gefühlen, die wir kennen.
Erleben Menschen in der Kindheit viel Beängstigendes und Bedrohliches, wird die Angstreaktion regelrecht „trainiert“. Das Gehirn baut sich dann so um, daß es schnell und stark auf alles mit Alarm reagiert, was möglicherweise bedrohlich sein könnte, es wird automatisch „abgescheckt“, was alles passieren könnte. Dieser Alarm löst eine verstärkte Beschäftigung mit dem Alarmierenden aus. Das kann zu Angstzuständen und Grübelzwängen führen. – Derart früh „trainierte“ emotionale Reaktionsbereichtschaften gehen nie mehr ganz weg.
Ängstliche Menschen sind Experten für die Gefährlichkeit und Unberechenbarkeit des Daseins, sie haben einen Sinn für die unfaßbare Zufälligkeit des Unglücks, sie sind krankhaft realistisch. Ein solch starker Sinn für mögliches Unglück führt jedoch leicht dazu, daß das Leben verunglückt: je weniger Angriffspunkte für Zufälle ein Leben haben soll, desto eingeschränkter muß es geführt werden.
Die Therapie von Angstzuständen besteht darin, eine Art Entwarnungsmodul zu entwickeln, mit dem Ziel, daß die Betroffenen, wenn die Angst anspringt, automatisch und routiniert mehrere Punkte „gegenchecken“:
- wie die Heftigkeit der Angstreaktion zusammenhängt mit lebensgeschichtlich bedingter verstärkter Angstentwicklung, inwieweit die aktuelle Angst also nicht die aktuelle Gefährdung „abbilden“ muß, sondern möglicherweise wie eine Lupe wirkt, die auf eine Spinne gerichtet wird und die Spinne alls Monster erscheinen läßt,
- wie sinnvoll es wäre, der Heftigkeit der Angstreaktion zu folgen und wie sinnvoll es wäre, zu riskieren, sie weniger zu beachten, als sie es möchte…
Doch versucht man der Angst zu sagen, sie übertreibe, wird sie laut protestieren. Dann geht es darum, der Angst mehr Worte zu verleihen, sie immer genauer zu befragen, um die Information, die sie zu bieten hat, abzuschöpfen. Ihr dann Recht zu geben, wo sie recht hat, und wo sie keines hat, sie dennoch als Schutzinstanz zu wertschätzen, und zu beobachten, was sie macht, wenn man sie in die Schranken weist…
Generalisierte Angststörung
Bei dieser Störung wird das Leben zu einem einzigen untergründigen Angstzustand. Die Menschen leiden unter einer „Grundbeklommenheit“: einer untergründigen Sorge, den Anforderungen des Tages und der Zukunft nicht gewachsen zu sein und erst recht nicht, wenn sie dran denken, was alles passieren kann. Unter Anspannung sind sie schneller gestresst und überfordert und wenn sie Ruhe haben könnten, beginnt das Grübeln: „Was passiert wenn…“ – Die Gedanken beschäftigen sich mit allem, für das es keine sichere Problemlösung gibt, mit allen erdenklichen Hilflosigkeiten gegenüber dem Leben: Wenn das Auto kaputt geht, muß man einen weiteren Kredit aufnehmen, dann wird fraglich, ob man die Raten der anderen bedienen kann, zumal im Betrieb Kurzarbeit droht …
Weil es keine abschließenden Lösungen gibt, schwären die Probleme untergründig fort, auch wenn man nicht mehr an sie denkt. – Das Bedürfnis, sich zu versichern, daß alles in Ordnung ist, wird immer größer, es wird immer mehr Zeit und Mühe darauf verwendet. – Bei einer Betroffenen wurde es so stark, daß sie Krankenwagen mit Blaulichtfahrt hinterher fuhr, um sich zu versichern, daß sich nicht ihre Tochter darin befand.
Das Problem mit Rückversicherungen ist: Man ist erleichtert, daß das Befürchtete nicht eingetreten ist. Erleichterung fühlt sich gut an. Gute Gefühle will man immer wieder haben… – Rückversicherungsverhalten verstärkt sich selbst.
Weitere Infos hier: https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/angststoerung/angstoerung-hintergrund
Kurzinfo über die Grundlagen von Psychotherapie hier (interner Link)
